Pfade - Grenze
Grenze ist mehr: das Land hinter der Oder
Die deutsch-polnische Grenze ist eine natürliche Akkumulationszone
von Melancholie. Sie erscheint in der Öffentlichkeit der Zentren
als jene Peripherie, die kurz vorm Ende der Welt liegt. Wer sich auf
den Weg in eine der Grenzstädte an der Oder macht, den
überkommt gewöhnlich eine Ahnung, warum das Wort Weltschmerz
ein deutscher Exportschlager wurde. Hier hört Deutschland auf und
Polen will nicht so recht beginnen. Hier sagen sich Fuchs und Hase gute
Nacht. Hier sieht man auf den ersten Blick, dass an beiden Ufern 25
Prozent Arbeitslosigkeit herrscht. Doch dringt man weiter ins Land ein,
wirken die verfluchten Orte des Transits wie ein Eldorado. So beginnt
die Grenze nicht da, wo sie mit bunt gestreiften Pfählen aus
Plaste und Beton markiert ist, sondert dort, wo keine Basare, Puffs und
Sonderwirtschaftszonen für regen Verkehr aller Art sorgen.
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Pogranicze - ein Fest der Grenze
Frankfurt (Oder) und Słubice sind in Deutschland und Polen berühmt
durch Staumeldungen und offizielle Gesten. Schriftsteller, Politiker
und Wissenschaftler verkünden von hier aus immer wieder die
Einigung Europas. Und dennoch erscheint die Grenze bisher vor allem als
Barriere, die es zu überwinden gilt. Die Euroregion Pro Europa
Viadrina und literaria wollen gemeinsam mit wichtigen Einrichtungen
beider Städte verschiedene Aspekte von Grenze aufzeigen und eine
scheinbar entlegene Region an der Ostgrenze von Polen an die
derzeitigen Ostgrenze der EU holen. Die Gegend Podlasie, zu der auch
die bis nach Litauen und Weißrussland reichende Euroregion Niemen
gehört, wird sich an der Schnittstelle von Westpolen und
Ostbrandenburg mit Theater, Musik, Literatur, Wissenschaft und
Kulinarischem präsentieren, damit möglichst viele Berliner,
Brandenburger und Einwohner des Lebuser Landes diesseits und jenseits
der Oder vom Reichtum der Grenze erfahren.
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Europa geht weiter
Grenzen teilen Länder. Sie entstehen im Kopf. Sie ziehen sich
durch Gesellschaften. Sie beherrschen Gefühle. Sie schreiben
Geschichte und werden von ihr eingeholt. Sie werden von Sprachen
geschaffen, die zu Barrieren werden. Auch die Herkunft schafft Linien
der Trennung. All diese Grenzen überlagern sich, werden
unsichtbar, geraten in Bewegung.
Europa ist eine Landschaft von Grenzen, die sich im Laufe der
Jahrhunderte auf engstem Raum immer wieder verschoben haben, Anlass zu
Kriegen waren und immer wieder überwunden wurden. Pogranicze
bezeichnet den Raum zwischen den Grenzen. Es umschreibt das Land an der
Grenze, wo sich Sprachen, Völker, Kulturen überlagern.
Pogranicze ist dort, wo eigentlich eine Grenze sein sollte, in
Wirklichkeit aber Grenzen verschwimmen.
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